Grundlagen-Ratgeber

Krankengymnastik vs. Manuelle Therapie: Der Unterschied

KG, Manuelle Therapie, KG-Gerät oder Lymphdrainage? Was die Heilmittel unterscheidet, wann welches hilft und wer welche Zusatzqualifikation braucht.

Redaktion Physiotherapie BW11 Min. Lesezeit2.414 Wörter

Das Wichtigste in Kürze

  • Physiotherapie ist der offizielle Oberbegriff, während Krankengymnastik (KG) eine spezifische, aktive Behandlungsform darunter ist.
  • Manuelle Therapie (MT) ist eine passive, hochspezialisierte Technik zur Diagnose und Behandlung von Funktionsstörungen des Bewegungsapparates, die eine Zusatzausbildung erfordert.
  • Krankengymnastik zielt auf die Wiederherstellung von Bewegung und Kraft durch aktive Übungen ab, die der Patient selbst ausführt.
  • Der behandelnde Arzt legt auf der Heilmittelverordnung das spezifische Heilmittel (z.B. KG, MT, KG-Gerät) basierend auf der Diagnose und Leitsymptomatik fest.
  • Für Manuelle Therapie und spezielle neurophysiologische Techniken (KG-ZNS) müssen Therapeuten zertifizierte, mehrjährige Weiterbildungen absolvieren.

Die Begriffe Krankengymnastik und Physiotherapie werden oft synonym verwendet, bezeichnen aber nicht dasselbe. Physiotherapie ist der staatlich anerkannte Oberbegriff für ein breites Spektrum an Therapiemethoden, zu denen auch die Krankengymnastik (KG) gehört. Der wesentliche Unterschied zur ebenfalls untergeordneten Manuellen Therapie (MT) liegt in der Ausführung: Bei der Krankengymnastik führt der Patient aktiv Übungen zur Mobilisation, Kräftigung und Dehnung aus, während bei der Manuellen Therapie der Therapeut den Patienten passiv bewegt und mit speziellen Handgriffen Gelenk- und Weichteilstörungen behandelt.

Was ist Physiotherapie eigentlich?

Physiotherapie ist der offizielle Oberbegriff, der seit 1994 in Deutschland die frühere Bezeichnung "Krankengymnastik" für das gesamte Berufsfeld abgelöst hat. Sie umfasst alle aktiven und passiven Therapieformen, die darauf abzielen, die Bewegungs- und Funktionsfähigkeit des menschlichen Körpers wiederherzustellen, zu verbessern oder zu erhalten. Ein Physiotherapeut ist ein medizinischer Fachberater für Bewegung und Funktion, dessen Arbeit auf ärztlicher Diagnose und Verordnung basiert. Das Ziel ist es, Schmerzen zu lindern, Heilungsprozesse zu unterstützen und dem Patienten zu helfen, seine Alltagsaktivitäten wieder bestmöglich ausführen zu können. Zum Spektrum der Physiotherapie gehören unter anderem:

  • Krankengymnastik (KG)
  • Manuelle Therapie (MT)
  • Krankengymnastik am Gerät (KG-Gerät)
  • Neurophysiologische Behandlungen wie Bobath oder PNF (KG-ZNS)
  • Manuelle Lymphdrainage (MLD)
  • Massagetechniken (KMT)
  • Physikalische Therapien wie Wärme- oder Kälteanwendungen

Was genau ist Krankengymnastik (KG)?

Krankengymnastik, abgekürzt KG, ist das Herzstück der aktiven Behandlungsformen innerhalb der Physiotherapie. Nach einer ausführlichen Befunderhebung erstellt der Therapeut einen individuellen Übungsplan. Der Fokus liegt darauf, dass der Patient unter Anleitung aktiv wird. Die Ziele sind vielfältig und reichen von der Mobilisation eingeschränkter Gelenke nach einer Operation über die Kräftigung geschwächter Muskulatur bis hin zur Verbesserung von Koordination und Gleichgewicht.

Typische Elemente einer KG-Einheit sind:

  • Funktionelle Übungen: Bewegungsabläufe, die den Anforderungen des Alltags nachempfunden sind.
  • Kräftigungsübungen: Gezieltes Training von Muskelgruppen, oft mit Kleingeräten wie Therabändern oder leichten Gewichten.
  • Dehnübungen: Verbesserung der Flexibilität und Reduktion von Muskelverspannungen.
  • Atemtherapie: Schulung einer bewussten und effektiven Atmung, besonders bei Lungenerkrankungen.

Der Therapeut leitet die Übungen an, korrigiert die Ausführung und gibt dem Patienten ein Hausaufgabenprogramm mit auf den Weg, um den Therapieerfolg nachhaltig zu sichern.

Und was versteht man unter Manueller Therapie (MT)?

Die Manuelle Therapie (MT) ist eine hochspezialisierte passive Behandlungstechnik innerhalb der Physiotherapie. Sie dient sowohl der detaillierten Diagnostik als auch der gezielten Behandlung von reversiblen Funktionsstörungen an Gelenken, Muskeln und Nerven des Bewegungsapparates. Im Gegensatz zur Krankengymnastik, bei der der Patient aktiv ist, arbeitet hier primär der Therapeut mit seinen Händen am Patienten.

Der Therapeut nutzt spezifische Handgriffe und Mobilisationstechniken, um blockierte oder eingeschränkte Gelenke zu bewegen und die Gelenkmechanik zu normalisieren. Auch Techniken zur Dehnung verkürzter Muskel- und Weichteilstrukturen gehören dazu. Das Ziel ist es, das Zusammenspiel von Gelenken, Muskeln und Nerven zu optimieren, Schmerzen zu reduzieren und die Beweglichkeit zu verbessern. Aufgrund ihrer Komplexität und der erforderlichen diagnostischen Fähigkeiten dürfen nur Physiotherapeuten mit einer abgeschlossenen, zertifizierten Weiterbildung Manuelle Therapie durchführen und abrechnen.

Worin liegt der Hauptunterschied zwischen KG und MT?

Der Kernunterschied liegt in der Herangehensweise: aktiv versus passiv. Während die Krankengymnastik den Patienten zur aktiven Mitarbeit anleitet, um durch Bewegung zu heilen ("Hilfe zur Selbsthilfe"), ist die Manuelle Therapie eine passive Technik, bei der der Therapeut gezielte manuelle Impulse setzt, um eine Funktionsstörung direkt zu beheben.

MerkmalKrankengymnastik (KG)Manuelle Therapie (MT)
PatientenrolleAktiv: Führt Übungen selbst ausPassiv: Wird vom Therapeuten bewegt und behandelt
FokusFunktionelle Bewegung, Kräftigung, Koordination, AusdauerGelenkmechanik, Weichteilfunktionen, neuronale Strukturen
Therapeutische MittelAnleitung zu Übungen, BewegungsschulungSpezifische Handgriffe, Mobilisation, Traktion, Weichteiltechniken
HauptzielVerbesserung der allgemeinen Bewegungsfähigkeit und BelastbarkeitBeseitigung einer spezifischen Funktionsstörung (z.B. Gelenkblockade)

Oft werden beide Therapieformen kombiniert: Die Manuelle Therapie löst eine Blockade, und die anschließende Krankengymnastik kräftigt die umliegende Muskulatur, um das Gelenk zu stabilisieren und ein erneutes Auftreten des Problems zu verhindern.

Was sind spezielle Formen der Krankengymnastik wie KG-ZNS oder KG-Gerät?

Neben der allgemeinen Krankengymnastik gibt es spezialisierte Formen, die auf bestimmte Krankheitsbilder oder Therapieziele ausgerichtet sind und oft auch besondere Qualifikationen des Therapeuten erfordern.

Krankengymnastik am Gerät (KG-Gerät)

KG-Gerät ist eine aktive Trainingstherapie an medizinischen Rehabilitationsgeräten. Sie wird meist in Kleingruppen (bis zu 3 Personen) oder als Einzeltherapie durchgeführt und dauert in der Regel 60 Minuten. Ziel ist der gezielte Aufbau von Muskelkraft, Kraftausdauer und die Verbesserung der Alltagsfunktionen nach Verletzungen, Operationen (z.B. Kreuzbandriss, Hüft-TEP) oder bei chronischen Beschwerden. Der Therapeut erstellt einen individuellen Trainingsplan, der während der Therapieeinheiten kontinuierlich überwacht und angepasst wird.

Krankengymnastik für das Zentrale Nervensystem (KG-ZNS)

Diese hochspezialisierte Form der Krankengymnastik richtet sich an Patienten mit neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall, Multipler Sklerose, Parkinson oder angeborenen Bewegungsstörungen. Die bekanntesten Konzepte sind Bobath und PNF (Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation). Therapeuten benötigen für die Abrechnung von KG-ZNS eine entsprechende Zertifikatsweiterbildung. Das Ziel ist es, pathologische (krankhafte) Bewegungsmuster abzubauen und normale, physiologische Bewegungen wieder anzubahnen, um die Selbstständigkeit der Patienten im Alltag zu fördern.

Vergleich der wichtigsten Heilmittel: Was leistet welche Therapie?

Die Wahl des richtigen Heilmittels hängt von der ärztlichen Diagnose und der Leitsymptomatik ab. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die gängigsten physiotherapeutischen Behandlungen (Stand der GKV-Richtwerte 2026, zur Orientierung).

HeilmittelDauer/EinheitHauptzielErforderliche QualifikationTypische Diagnosen (Beispiele)
Krankengymnastik (KG)15-25 Min.Funktionsverbesserung, Kräftigung, Mobilisation, SchmerzlinderungStaatsexamen PhysiotherapieHWS-Syndrom, postoperative Zustände, Arthrose, Rückenschmerzen
Manuelle Therapie (MT)15-25 Min.Beseitigung reversibler Gelenkfunktionsstörungen, SchmerzlinderungZusatzzertifikat MT (ca. 260+ Std.)Gelenkblockaden (z.B. ISG), segmentale Dysfunktionen der Wirbelsäule, Kiefergelenksdysfunktion (CMD)
KG-Gerätca. 60 Min.Kraft-, Ausdauer- & Koordinationsaufbau an GerätenZusatzzertifikat KG-GerätNach Kreuzband-OP, Hüft-/Knie-TEP, chronische Muskelschwäche
KG-ZNS (Bobath/PNF)25-35 Min.Anbahnung physiologischer Bewegungsmuster, Hemmung von SpastikZusatzzertifikat KG-ZNS (Bobath/PNF)Schlaganfall, Multiple Sklerose, Parkinson, ICP
Manuelle Lymphdrainage (MLD)30/45/60 Min.Entstauung von Gewebsflüssigkeit (Lymphe), SchmerzreduktionZusatzzertifikat MLD/KPEPrimäre/sekundäre Lymphödeme, nach Krebs-OPs, schwere Traumata
Klassische Massagetherapie (KMT)15-20 Min.Detonisierung (Entspannung) der Muskulatur, DurchblutungsförderungStaatsexamen Physiotherapie/MasseurMuskelverspannungen, Myalgien
Wärme-/Kältetherapie10-20 Min.Schmerzlinderung, Muskelentspannung (Wärme), Entzündungshemmung (Kälte)Staatsexamen Physiotherapie/MasseurMuskelverspannungen (Wärme), akute Entzündungen/Traumata (Kälte)

*Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden sollten Sie immer einen Arzt konsultieren, der die für Sie passende Therapie verordnet.*

Welche Qualifikation benötigt ein Therapeut für die jeweilige Behandlung?

Die Basis für jede physiotherapeutische Tätigkeit ist die staatliche Anerkennung als Physiotherapeut/in nach einer dreijährigen Ausbildung oder einem Studium. Für viele spezialisierte Heilmittel sind jedoch zusätzliche, oft aufwändige und kostenintensive Weiterbildungen notwendig, die mit einem Zertifikat abgeschlossen werden.

  • Krankengymnastik (KG), Massage (KMT), Wärme/Kälte: Diese gehören zur Grundausbildung. Jeder staatlich anerkannte Physiotherapeut darf diese Leistungen erbringen.
  • Manuelle Therapie (MT): Erfordert eine zertifizierte Weiterbildung von mindestens 260 Stunden. Diese dauert berufsbegleitend oft mehrere Jahre.
  • KG-Gerät: Benötigt ebenfalls eine Zertifikatsfortbildung, um die spezifischen Kenntnisse der medizinischen Trainingstherapie nachzuweisen.
  • KG-ZNS (Bobath, PNF, Vojta): Für jede dieser neurophysiologischen Techniken ist eine eigene, umfangreiche Zertifikatsweiterbildung erforderlich.
  • Manuelle Lymphdrainage (MLD): Therapeuten müssen einen vierwöchigen Intensivkurs (ca. 170 Stunden) absolvieren, um als "Fachlehrer für MLD/KPE" zertifiziert zu werden.

Praxen, die diese spezialisierten Leistungen anbieten, weisen in der Regel auf ihrer Website oder in der Praxis explizit auf die Qualifikationen ihrer Therapeuten hin.

Für welche Diagnosen wird typischerweise Krankengymnastik oder Manuelle Therapie verordnet?

Die Entscheidung trifft der Arzt auf Basis des Heilmittelkatalogs. Er ordnet die Diagnose einer Diagnosegruppe und einer Leitsymptomatik zu (z.B. "Schmerzsymptomatik" oder "Funktionsstörung des Gelenks"). Daraus leitet sich das verordnungsfähige Heilmittel ab.

  • Krankengymnastik (KG) wird oft bei allgemeinen Problemen des Bewegungsapparates verordnet, bei denen eine Verbesserung der Funktion durch aktive Bewegung im Vordergrund steht. Beispiele sind:
  • Nach Gelenkersatz (Hüft- oder Knie-TEP) zur Mobilisation und Kräftigung.
  • Bei unspezifischen Rückenschmerzen zur Stärkung der Rumpfmuskulatur.
  • Bei Arthrose zur Erhaltung der Gelenkbeweglichkeit.
  • Nach Knochenbrüchen, um die Funktion wiederherzustellen.
  • Manuelle Therapie (MT) wird gezielt bei der Diagnose von reversiblen, also behebbaren, Funktionsstörungen verordnet. Beispiele sind:
  • Blockierungen der Wirbelgelenke oder des Iliosakralgelenks (ISG).
  • Ein Bandscheibenvorfall, bei dem MT zur Entlastung des betroffenen Segments eingesetzt wird.
  • Bewegungseinschränkungen der Schulter ("Frozen Shoulder" in bestimmten Phasen).
  • Kiefergelenksbeschwerden (Craniomandibuläre Dysfunktion, CMD).

Kann ich mir aussuchen, ob ich KG oder MT bekomme?

Nein, die Auswahl des primären Heilmittels obliegt dem verordnenden Arzt. Der Arzt diagnostiziert das Problem und entscheidet auf dieser Grundlage, welche Therapieform am besten geeignet ist. Auf der Heilmittelverordnung (Rezept) wird das spezifische Heilmittel (z.B. "6x KG" oder "6x MT") eingetragen.

Ein erfahrener Physiotherapeut kann jedoch während der Behandlung feststellen, dass eine andere oder ergänzende Maßnahme sinnvoller wäre. In diesem Fall kann er in Rücksprache mit dem Arzt eine Änderung der Verordnung anregen. Bei der neueren Blankoverordnung hat der Therapeut mehr Autonomie und kann die Art und Frequenz der Heilmittel innerhalb eines gewissen Rahmens selbst festlegen, was jedoch noch nicht flächendeckend für alle Diagnosen gilt.

Schritt für Schritt: So finden Sie die richtige Physiotherapie-Praxis

Die Suche nach einem qualifizierten Therapeuten ist entscheidend für den Behandlungserfolg. Gehen Sie systematisch vor:

  1. 1Ärztliche Verordnung prüfen: Schauen Sie genau, welches Heilmittel (z.B. KG, MT, KG-ZNS) Ihnen verordnet wurde.
  2. 2Praxissuche starten: Nutzen Sie Online-Verzeichnisse, Suchmaschinen (z.B. "Manuelle Therapie Stuttgart") oder fragen Sie Freunde und Familie nach Empfehlungen.
  3. 3Website der Praxis analysieren: Prüfen Sie das Leistungsspektrum. Bietet die Praxis die verordnete Therapie an? Sind die Qualifikationen der Therapeuten aufgeführt?
  4. 4Telefonischer Erstkontakt: Rufen Sie in den favorisierten Praxen an und fragen Sie gezielt, ob Therapeuten mit der benötigten Zertifizierung (z.B. für Manuelle Therapie oder Bobath) verfügbar sind und wie die Wartezeiten aussehen.
  5. 5Auf die Gültigkeit achten: Denken Sie daran, dass Sie die Behandlung meist innerhalb von 28 Tagen nach Ausstellungsdatum des Rezepts beginnen müssen. Mehr dazu finden Sie im Ratgeber zur Gültigkeit der Heilmittelverordnung.
  6. 6Termin vereinbaren: Vereinbaren Sie einen ersten Termin, der eine ausführliche Anamnese und Befunderhebung beinhalten sollte.
  7. 7Qualitätseindruck gewinnen: Achten Sie beim Ersttermin darauf, ob der Therapeut auf Ihre Beschwerden eingeht, Ziele mit Ihnen bespricht und die Behandlung verständlich erklärt. Ein Leitfaden hilft Ihnen, eine gute Physiotherapie-Praxis zu erkennen.

Physiotherapie-Angebote in Baden-Württemberg: Worauf muss ich achten?

Baden-Württemberg verfügt über eine hohe Dichte an exzellenten Physiotherapie-Praxen. Ob in Metropolen wie Stuttgart und Mannheim, in Universitätsstädten wie Heidelberg und Freiburg oder in wirtschaftsstarken Regionen um Karlsruhe und Ulm – das Angebot ist groß. Einen Überblick über Praxen in Ihrer Nähe finden Sie auf unserer Städte-Übersicht.

Gerade in den Ballungsräumen gibt es viele Praxen mit unterschiedlichen Schwerpunkten (z.B. Sportphysiotherapie, Neurologie, Pädiatrie). Dies erhöht die Chance, einen hochspezialisierten Therapeuten für Ihr Anliegen zu finden. Aufgrund der hohen Nachfrage können die Wartezeiten für spezielle Therapien wie Manuelle Therapie oder KG-ZNS jedoch länger sein. Es lohnt sich, bei mehreren Praxen anzufragen. Die fachliche Qualifikation ist dabei das A und O. Die Rahmenbedingungen und das Gehaltsniveau für Therapeuten, die auch die Praxisqualität beeinflussen können, analysieren wir in unserer Gehaltsanalyse für Baden-Württemberg.

Was ist, wenn meine Verordnung mehrere Heilmittel kombiniert?

Es ist üblich, dass Ärzte Heilmittel kombinieren, um den Therapieerfolg zu maximieren. Eine häufige Kombination ist die Verordnung eines primären Heilmittels (z.B. 6x Krankengymnastik) und eines ergänzenden Heilmittels (z.B. 6x Wärmetherapie/Fango oder Kältetherapie).

In diesem Fall wird die Wärmepackung meist vor der Krankengymnastik angewendet, um die Muskulatur zu lockern und auf die aktive Bewegung vorzubereiten. Eine Kälteanwendung kann nach der Therapie sinnvoll sein, um Reizungen zu lindern. Diese Kombinationen sind im Heilmittelkatalog vorgesehen und werden von den Krankenkassen erstattet. Die Praxis plant die Termine so, dass beide Behandlungen nacheinander stattfinden können.

Häufige Fragen

Ist Physiotherapie dasselbe wie Krankengymnastik?

Nein. Physiotherapie ist der offizielle Oberbegriff für den gesamten Berufsstand und alle dazugehörigen Behandlungsmethoden. Krankengymnastik (KG) ist eine dieser Methoden, die sich auf aktive, vom Patienten durchgeführte Übungen konzentriert. Umgangssprachlich werden die Begriffe oft noch synonym verwendet, fachlich ist dies jedoch nicht korrekt.

Brauche ich für Physiotherapie immer ein Rezept?

Ja, für eine Behandlung, die von der gesetzlichen oder privaten Krankenkasse erstattet werden soll, benötigen Sie eine ärztliche Heilmittelverordnung (Rezept). Sie können physiotherapeutische Leistungen auch als Selbstzahler ohne Rezept in Anspruch nehmen, sofern die Praxis dies anbietet (sektorale Heilpraktikererlaubnis für Physiotherapie).

Was bedeutet die Abkürzung PNF?

PNF steht für "Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation". Es ist eine komplexe neurophysiologische Behandlungstechnik (KG-ZNS), bei der über dreidimensionale Bewegungsmuster, Druck, Dehnung und Widerstand die Rezeptoren in Gelenken und Muskeln stimuliert werden. Dies verbessert das Zusammenspiel zwischen Nerven und Muskeln und bahnt ökonomischere Bewegungsabläufe an.

Kann ich den Therapeuten innerhalb einer Praxis wechseln?

Ja, das ist in der Regel problemlos möglich. Wenn Sie das Gefühl haben, dass die "Chemie" nicht stimmt oder Sie mit dem Behandlungsansatz unzufrieden sind, sprechen Sie dies offen an der Rezeption oder bei der Praxisleitung an. Ein Therapeutenwechsel kann neue Impulse setzen und ist für einen positiven Therapieverlauf oft entscheidend.

Warum dauert eine Einheit Manuelle Therapie nur 20 Minuten?

Die im Heilmittelkatalog der gesetzlichen Krankenkassen festgelegte Regeldauer für eine Einheit KG oder MT liegt bei 15 bis 25 Minuten. Obwohl dies kurz erscheint, können erfahrene Therapeuten in dieser Zeit sehr gezielte und effektive Techniken anwenden. Die passive, intensive Behandlung der MT erfordert zudem Konzentration von Patient und Therapeut und wird oft durch ein aktives Übungsprogramm ergänzt.

Was ist der Unterschied zwischen Massage (KMT) und Manueller Therapie (MT)?

Die Klassische Massagetherapie (KMT) zielt primär auf die Behandlung von Muskulatur und Bindegewebe ab, um Verspannungen zu lösen und die Durchblutung zu fördern. Die Manuelle Therapie (MT) ist eine viel umfassendere Technik, die sich mit der Diagnostik und Behandlung von Funktionsstörungen des gesamten Bewegungsapparates, insbesondere der Gelenke, befasst. MT erfordert eine spezielle Zusatzausbildung.

Wie viele Behandlungen bekomme ich von meinem Arzt verschrieben?

Die Anzahl der Einheiten pro Verordnung ist im Heilmittelkatalog je nach Diagnosegruppe festgelegt. Für die meisten Beschwerden des Bewegungsapparates werden zunächst bis zu 6 Einheiten pro Rezept verordnet. Bei Bedarf kann der Arzt weitere Verordnungen ausstellen. Bei bestimmten chronischen Erkrankungen gibt es die Möglichkeit eines langfristigen Heilmittelbedarfs.

Muss ich für KG-Gerät extra zahlen?

Wenn Ihnen KG-Gerät vom Arzt auf einem Rezept verordnet wurde, fällt für Sie nur die gesetzliche Zuzahlung an (10 Euro pro Rezept plus 10 % der Behandlungskosten). Wenn Sie das Gerätetraining als Präventionsmaßnahme oder zur allgemeinen Fitness ohne Rezept nutzen möchten, müssen Sie die Kosten als Selbstzahler vollständig tragen.

Darf jeder Physiotherapeut Lymphdrainage anbieten?

Nein. Die Manuelle Lymphdrainage (MLD) ist eine spezialisierte Technik, die nur von Therapeuten mit einer entsprechenden, zertifizierten Weiterbildung (mindestens 170 Stunden) durchgeführt und abgerechnet werden darf. Achten Sie bei der Praxiswahl darauf, dass Therapeuten mit dieser Qualifikation vorhanden sind, falls MLD verordnet wurde.

Was passiert bei der ersten Physiotherapie-Sitzung?

Der erste Termin dient der ausführlichen Befunderhebung (Anamnese). Der Therapeut wird Ihnen gezielte Fragen zu Ihren Beschwerden, Ihrer Krankheitsgeschichte und Ihren Zielen stellen. Anschließend folgt eine körperliche Untersuchung, um Bewegungseinschränkungen, Schmerzpunkte und Funktionsstörungen zu identifizieren. Auf Basis dieser Befunde wird ein individueller Behandlungsplan erstellt.

Quellen und weiterführende Stellen

Alle Preis-, Gehalts- und Wartezeitangaben sind Orientierungswerte für Baden-Württemberg (Stand 12.10.2026) und ersetzen keine medizinische Beratung. Bei Beschwerden wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder eine Physiotherapie-Praxis.

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Über die Redaktion

Redaktion Physiotherapie BW recherchiert Versorgungslage, Preise und Arbeitsbedingungen in der Physiotherapie in Baden-Württemberg. Grundlage sind Heilmittelrichtlinie und Heilmittelkatalog, die Zuzahlungsregeln nach § 61 SGB V, öffentliche Gehaltsstatistiken sowie die anonymen Gehaltsangaben aus unserer Gehaltsanalyse. Inhalte werden mindestens halbjährlich überprüft.

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